Wanja Slavin Lotus Eaters

Wanja Slavin Lotus Eaters
Freitag | 20. April 2018 | 21:00 Uhr


Im Gegensatz zu ihren Namensgebern verfallen die Lotus Eaters nicht in Lethargie sondern verwandeln düsteren Weltschmerz mit kraftvoller Dringlichkeit in faszinierende Musik. Die ist formal traditionell und doch begegnen die Lotus Eaters dem Erbe der Jazzgeschichte mit Selbstbewusstsein, adaptieren unterschiedliche Stimmungen, Genres und Bilder, um sie klug und virtuos weiterzuentwickeln. Das klingt mal nach elegischer Klangmalerei, dann wieder wild und kämpferisch, im Gestus einer Rockband. Es ist ein sehr persönliches Projekt, in dem nicht um eine neue Definition des zeitgemäßen Jazz gerungen wird, sondern um emotionale Hingabe. Dieses Ringen ist nicht minder spannend. Die Lotus Eaters wollen beweisen, dass im 21. Jahrhundert ein aktueller Weg gefunden werden kann, die Jazztradition weiterzuführen und doch etwas Relevantes hinzuzufügen. Bandleader Wanja Slavin „versteckt sich nicht hinter seiner Musik. Wie jeder in den Zeiten der Postmoderne muss er umgehen mit dem vielen, was da ist. Daraus dann das Eigene zu destillieren ist die Kunst, bei der er mit den Lotus Eaters sehr weit gekommen ist. Keine Kopien und keine Ironie gibt es bei ihm. All diese Krücken braucht er nicht, weil sie letztlich von der Angst zeugen, auch mal was ernst meinen zu müssen. Hier offenbart einer sein Ich, einer der weiß, dass Musikhören heute ebenso wie Musikmachen nur mit Referenzen im Kopf passieren kann. Also geht es Wanja Slavin darum, Partikel und Elemente in andere Kontexte zu setzen. Diese Verschiebungen haben bei ihm weder den Charakter witziger Collagen noch den kompetitiver Kraftmeierei. Hier entwickeln sie die Kraft, zu etwas Größerem zu wachsen“ (Dr. Ulrich Steinmetzger). Slavin geht es dabei weniger „um Intellektualität sondern um ein Gefühl, eher um etwas Spirituelles.“ Nebenbei gilt der Preisträger des ECHO Jazz als Instrumentalist des Jahres 2014 national als „einer der besten Altsaxofonisten hierzulande“ und hat mit Musikern wie Ralph Alessi, Nasheet Waits, Médéric Collignon und Peter Evans gespielt, in Formationen wie Amok Amor und Meyer/Black/Meyer/Slavin.

Besetzung: Wanja Slavin (as, synth), Rainer Böhm (p, rhodes), Andreas Lang (b), James Maddren (dr)

Foto © Dovile Sermokas